Wie setzt man Graufilter ein?
- am 18. März 2010
- von Thomas Zilch
- in Fotografie, Fototechnik, Kauftipps
4
Im Zeitalter der digitalen Fotografie verfällt man leicht dem Glauben, dass es überflüssig ist, Filter einzusetzen, weil man die Filterfunktion ja hinterher in Photoshop & Co. nachbilden kann.
Das mag für einige Effektfilter gelten. Aus meiner Sicht gibt es aber zwei Filter, deren Wirkung man nicht elektronisch nachbilden kann: Polarisationsfilter und Graufilter.
In diesem Artikel möchte ich den Einsatz von Graufiltern beschreiben und zeigen, dass es sich durchaus lohnt, diese dabeizuhaben.
Graufilter gibt es in zwei Ausfertigungen:
- Verlaufsfilter
- Filter mit gleichmäßiger Grautönung
Graufilter reduzieren den Lichteinfall durchs Objektiv, sie machen die Szenerie aus Sicht der Kamera dunkler. Sie heißen auch Neutraldichte-Filter (ND-Filter), weil sie bis auf die Verringerung des Lichteinfalls keine weitere Wirkung insbesondere auf die Farbstimmung haben. Ein so genannter ND2-Filter verdoppelt die Verschlußzeit, ein ND4-Filter vervierfacht sie. Die folgende Tabelle gibt den Zusammenhang zwischen Filterstärke, Zeit und Blende wieder:
| Verlängerungsfaktor Zeit |
Verlängerungsstufen Blende |
Beispiel Zeit |
Beispiel Blende |
|
| ohne Filter | 1 | 0 | 1/125s | 16 |
| ND2 | 2 | 1 Stufe | 1/60s | 11 |
| ND4 | 4 | 2 Stufen | 1/30s | 8 |
| ND8 | 8 | 3 Stufen | 1/15s | 5,6 |
Durch den verringerten Lichteinfall bieten ND-Filter also die Möglichkeit, mit längeren Verschlußzeiten zu arbeiten und so gezielt Bewegungsunschärfe zu erzeugen. Oder man kann trotz sehr heller Umgebung mit weit geöffneter Blende fotografieren und so Motive noch freistellen, wo man ohne Filter hätte abblenden und eine große Schärfentiefe hätte in Kauf nehmen müssen.
Die Bilder unten zeigen den Wirkung eines Cokin ND8-Filters:
Ohne Graufilter
Mit Cokin ND8-Filter
Neben den ND-Filtern gibt es noch die Grauverlaufsfilter. Die Grautönung verläuft bei diesem Filtern nicht gleichmäßig, sondern folgt einem mehr oder weniger steilen Verlauf über die Filterfläche.
Verlaufsfilter kommen üblicherweise in der Landschaftsfotografie zum Einsatz. Wenn der Dynamikumfang, also die Hell-Dunkel-Unterschiede im Bild zu groß werden, und man z.B. nur die Wahl hat, entweder den Himmel über- oder den Vordergrund unterzubelichten, schlägt die Stunde von Verlaufsfiltern. Diese Filter gibt es ebenfalls in verschiedenen Ausführungen:
- unterschiedliche starke Grautönungen
- verschieden harte Verläufe
Gerade bei Verlaufsfiltern sind die Rechteckigen Typen, wie sie z.B. von Cokin oder Lee angeboten werden, den Einschraubtypen vorzuziehen, da man die rechteckigen Filter im Filterhalter verschieben kann, um den Grauverlauf entsprechend des Motivs positionieren zu können. Dies ist mit Einschraubfiltern nicht möglich.
Die beiden Bilder machen die Wirkung eines Verlaufsfilters deutlich:
Ohne Filter
Mit Filter
Man sieht, dass manche Bilder ohne Verlaufsfilter gar nicht möglich wären! Der ausgefressene Himmel im ersten Bild könnte auch durch Photoshop nicht mehr gerettet werden. Ich hab’s versucht…
Da diese Filter ein Mittel zur Bildgestaltung sind, ist der Einsatz eines Stativs empfehlenswert bzw. unumgänglich, wenn sich wie im Beispiel der ND-Filter um lange Verschlußzeiten stark verlängern.
Ich selbst setze seit vielen Jahren Filter von Cokin ein. Diese können unter anderem bei Amazon bestellt werden. Als Grundausstattung empfehle ich den ND-Filter “Neutralgrau 8x P154″, die beiden Verlaufsfilter “P121M” und “P121L” sowie das “Filterhalter-Adapterset für Cokin P”.
- Keine ähnlichen Beiträge
Peter
Zunächst einmal, ein wirklich guter Artikel. Klar und verständlich und auf das Wichtige zum Thema beschränkt. Dafür vielen Dank!
OT:
Aber, hier irrt die Menschheit:
“Der Artikel wird für Sie dadurch nicht teurer.”
Sicher, ob der Artikel direkt oder über den Affiliate Link bestellt wird, macht für den Besteller keinen direkt mehrbaren Unterschiede, der Preis ist gleich. Aber warum ist das so? Weil deine Provision schon längst im Preis drin steckt. Amazon ist, wie alle anderen Unternehmen auch, darauf angewiesen Gewinn zu machen. Und deine Provision sind nun mal Kosten, auch wenn ich sie dir natürlich von Herzen gönne. Und alle Kosten muss Amazon auf den Produktpreis umlegen. Genauso wie alle Steuern übrigens. Es zahlt immer der letzte Verbrauchen _alle_ Kosten.
Und somit wird der Artikel eben doch teurer. Eben für alle, auch für den der direkt bestellt.
LG
Peter
michael
Graufilter lassen sich elektronisch schon nachbilden, (wenn auch nicht 1:1) indem man eine Serie von Aufnahmen auf einem Stativ macht und dann die Einzelblder übereinanderlegt bzw. den durchschnittlichen Belichtungswert rausrechnet. Wenn man fließendes Wasser fotografiert wirds ncht ganz so ästhetisch, aber um zB. einen Platz menschenleer zu machen funktionierts gut. Elektronisch lassen sich sogar gewisse Effekte (falls unerwünscht) wegrechnen: zB. Schleier von vorbeifahrenden Objekten. Nachteil: man verbraucht relativ viel Speicherplatz und dauert auch länger, ausserdem wrken echte Filter meiner Meinung nach ästhetischer.
Thomas Zilch
Natürlich kann man mit einer Belichtungsreihe, die man später am PC verrechnet, ähnliche Effekte hervorrufen wie mit einem Graufilter. Man kann dazu spezielle Software verwenden, wie z.B. Photomatix. Oder man benutzt Photoshop, um die einzelnen Bilder manuell zu überblenden. Dazu habe ich auch mal was geschrieben: http://www.publicbrain.de/schwierige-landschaftsbilder-mit-photoshop-bearbeiten.
Aber warum so kompliziert, wenn man die Aufgabe auch mit Graufilter und einem einzigen Bild erledigen kann?
Thomas Zilch
Freut mich, dass Dir der Artikel gefällt.
Zum Affiliate-Link:
Die Menschheit irrt m. Mn. nicht, denn der Artikel wird in der Tat nicht teurer wenn man ihn über den Affiliate-Link bestellt anstatt ihn direkt bei Amazon zu bestellen. Insofern halte ich meine Aussage noch immer für korrekt.
Evtl. könnte der zitierte Satz entsprechend ergänzt werden, damit er völlig korrekt ist.
Natürlich ist mir auch klar, dass Amazon nicht die Caritas ist, und die Provisionen und möglicherweise vieles andere mehr auf alle Käufer umlegt.